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Der Wald kommt nicht zur Ruh …

Wer bei diesem herrlichen Herbstwetter gern spazieren geht und hier vorzugsweise rund um “Die Garten Tulln” sein Blut mit frischem Sauerstoff vollpumpt, der kann den Klang der Motorsägen derzeit wohl nicht überhören. Mittlerweile hat es sich ja bis in den letzten Winkel herumgesprochen. Das Falsche Weiße Stängelbecherchen hat auch Tulln erreicht. Wer? Das Stängel-Was? Noch nie davon gehört? Aber klingt doch so niedlich …

Im ersten Moment denkt wohl kaum jemand Böses, es sei denn, man ist im Broterwerb Botaniker, Forstwirt oder Ähnliches. Doch dieses Stängel-Was ist ein ziemlich fieser Pilz. Der seinen Siegeszug – und somit den Niedergang der Eschen – von Richtung Nordosten kommend angetreten hat. Sowohl in Skandinavien, Polen, Tschechien, der Slowakei, Deutschland und auch der Schweiz hat man mit diesem Pilz zu kämpfen. Insgesamt sollen bereits 22 europäische Länder betroffen sein. Da stell ich mir schon die Frage, wo kommt dieses “Monster” denn plötzlich so schnell her? Möglicherweise haben die Umweltbedingungen wie z.B. höhere Temperaturen in den letzten Jahren diese Entwicklung begünstigt. Ich gehe davon aus, dass die Forscher auf Hochtouren arbeiten, um herauszufinden, warum … wieso … weshalb!

Ja natürlich, es stimmt schon, dass immer wieder Schädlinge auftreten und Bäume eben gefällt werden müssen. Man denke nur an den Borkenkäfer oder vor zig Jahren an den Sauren Regen, der der österreichischen Fortwirtschaft zusetzte. Oder an den Buchsbaumzünsler, der gern in meiner Buchshecke wütet (ein frecher Schmetterling, der aus Asien eingewandert ist). Und trotz all dieser Herausforderungen für unsere Bäume ist unser Land waldreich geblieben. Allerdings kommt mir dieses Baumsterben diesmal weit umfangreicher und dramatischer vor, besteht doch ein Großteil der Au aus Eschen. Allein die Zahlen, die von der Stadtgemeinde Tulln bekannt gegeben wurden, sind erschreckend. Nahezu die Hälfte des Baumbestandes sind Eschen und mussten gefällt werden bzw. werden noch bis Ende des Jahres der Säge zum Opfer fallen. Das geht in die Abholzung tausender Bäume!

Bereits im August traf die Gemeinde ja rund um die Garten Tulln Vorkehrungen und sperrte teilweise die Wege aufgrund der Forstarbeiten. Auch das Aubad war betroffen. Da sind derzeit noch teilweise Absperrungen, der Haupt-Eingang des Aubades ist aber nicht betroffen, hier stehen glücklicherweise riesige Kastanienbäume und die sind momentan ohnehin der Hauptanziehungspunkt für Kinder und deren Eltern, die Frischluft suchen. Auch auf den meisten Wegen in der Au rund um das Pfadfinderheim und die Garten Tulln kann man wieder seine Runden ziehen. Hier wurde bereits im Sommer als Sofortmaßnahme gerodet, um keine Menschen zu gefährden. Aber natürlich zieht sich dieses Thema weit über die beliebten Spazierwege und die Stadtgrenze hinaus. Egal ob Stockerau oder Korneuburg, Langenrohr oder Langenlebarn. Der Pilz kennt keine Grenzen. Überall sieht man derzeit das gleiche Bild. Gefällte Stämme, zusammen geschlichtet und riesige “Löcher” im Wald.

Mir wurde jedenfalls ziemlich schlagartig bewusst, dass ich das Erscheinungsbild der Au, wie ich es seit meiner Kindheit kannte, in diesem Leben nicht mehr sehen werde. Denn: Aufforsten ist ja recht schön und gut. Aber so ein Baum wächst ja nicht ruckzuck mal schnell 20 Meter in die Höhe. Das braucht Zeit. Etwa 100 Jahre oder mehr! Ein gutes Eschenleben kann ja schon an die 250 bis 300 Jahre dauern und da schafft sie es bis in luftige 40 Meter Höhe. Als gebürtige Tullnerin habe ich meine halbe Kindheit in der Au verbracht. Sie war immer selbstverständlich da. Ich verschwendete nie einen Gedanken daran, dass „meine Au“ einmal krank werden könnte und so „dünn“ würde.

Abgesehen vom wirtschaftlichen Schaden ist es natürlich auch für unsere Wildtiere eine Katastrophe. Selbst wenn vom Boden her alles verwuchert und in ein paar Jahren wieder „wild“ ist. Die Bäume brauchen Jahrzehnte, um wieder einen optimalen Lebensraum und Schutz zu bieten.

Bei einem meiner Spaziergänge in den letzten Tagen konnte ich nicht umhin, einige Fotos (wenn auch nicht sensationell gelungen) zu machen, um diesem Thema einen Beitrag auf meinem Blog zu widmen. Auch wenn es für viele Leser keine Neuigkeit mehr ist und es sich ohnehin schon bis in den letzten Winkel rum gesprochen hat … Das Falsche Weiße Stängelbecherchen ist da!

Liebe Grüße

Eure Tullnerin

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