News aus Tulln – 30 ist das neue 50!

30er Tempolimit_Vorschaubild

30 ist das neue 50! Und das seit 6. Juli! Wer jetzt denkt, ich verdreh da was. Nope. Ich mein es wie ich es sag. Ich red nämlich nicht von jugendlich wirkenden Damen und Herren in ihren 50ern, die sich so fit wie manch 30jähriger wähnen. Ich hab mir in den letzten Tagen nämlich ein paar Gedanken rund um das neue 30er Tempolimit in Tulln gemacht. Denn da erhitzen sich aktuell mal wieder die Gemüter der leidgeplagten Autofahrer – und das obwohl die sommerliche Hitzewelle grad ein kleines Päuschen einlegt. Falls die 30er-Beschränkung vollkommen unbemerkt an euch vorüber gerollt ist, dann hab ich im Beitrag ein paar Infos, die euch interessieren könnten.

Bis zu einem gewissen Grad versteh ich die Aufregung, denn den Autofahrer/innen wird es nicht leicht gemacht. Überall muss fürs Parken bezahlt werden (ja – das war in grauer Vorzeit tatsächlich mal gratis), an der Zapfsäule krampft sich mitunter der Magen zsamm und seit einigen Jahren ist Tulln nicht nur die Stadt der Kreisverkehre, sondern auch der Radargeräte (HIER könnt ihr mehr dazu lesen). Nun sorgt das neue Tempolimit wieder für heiße Diskussionen und vergrault so manch Damen & Herren. Und trifft Benzinbrüder (und -schwestern) sowie stromfahrende Kumpels gleichermaßen. Denn ich sag’s mal grad raus, wie ich es mir denk: Über kurz oder lang wird man blechen müssen, wenn man als „Raser“ mit 40 km/h erwischt wird.

Ich bin ehrlich gesagt auch kein Fan von stetig wachsenden Vorschriften und noch weniger von einem Schilderwald. Das kann schon verwirrend sein. Mir persönlich sind die Markierungen am Boden lieber und tatsächlich wurden die auch auf vielen Straßen „aufgemalt“. Ach ja – und diese leuchtenden Anzeigen-Smileys sind auch echte Eyecatcher, wenn man dann doch mal um einen Ticken zu schnell ist. Letztlich werde wir uns an den 30er gewöhnen, wie damals an die Gurte- oder Sturzhelm-Pflicht.

Aber zurück zum Thema: In den Wohnvierteln konnte man auch bisher dank vieler Quergassen und den dort herrschenden Rechtsvorrang-Regel ohnehin nicht deutlich schneller fahren. Da zuckel ich oft mit unter 30 km/h durch die Gassen, ein flotter 50er geht da beim besten Willen eh nicht. Bei den Schulen und Kindergärten sind auch bereits seit längerer Zeit 30er-Zonen sowie Radargeräte und beim Gymnasium herrscht ohnhin Fahrverbot während des Schulbetriebs. Die neue Temporegulierung bremst uns also nicht wirklich aus. Daher ist der Unmut von vielen Autofahrern punkto Geschwindigkeit nicht wirklich nachvollziehbar. Sehr wohl aber, wenn es wieder Richtung abstrafen und abkassieren gehen würd. Ich bin ein Verfechter von Abmahnung und Erziehung und nicht unbedingt von Bestrafung.

Außerdem hab ich ein bissl im Netz recherchiert und bin dabei auf Studien der TU Wien und Stellungnahmen des ÖAMTC gestoßen. Also der Benzinverbrauch bzw. der Schadstoffausstoß dürft mit 30er statt 50er leider eher steigen, statt sinken. Bessere Luftqualität konnte bei den Studien nicht nachgewiesen werden. Allerdings gibt’s dafür andere Vorteile. Die ich weiter unten noch erwähnen werde.

Für alle, die das 30er-Limit als persönlichen Eingriff in ihre mobile Freiheit betrachten: Tragt es bitte mit Fassung. Tulln ist nicht die erste Gemeinde, die sich für das Tempolimit entschied. Und sie wird auch nicht die letzte sein. Und schon in den 80er-Jahren hieß die Devise „Gleiten statt Hetzen“. Wir hasten ohnehin viel zu sehr durchs Leben.

Verkehrstafel mit Tempolimits für Tulln

Wenn wir uns erst mal dran gewöhnt haben, wird das Fahren sicher ein bisschen entspannter. Mit Sicherheit sinkt der Lärmpegel UND man kann deutlich schneller bremsen.

Das hat vor allem dann enorme Vorteile, wenn wieder mal ein Scooter ums Eck schießt oder ein Handy-Starrer völlig unvermutet plötzlich über die Straße läuft.

Und wir werden uns auch dran gewöhnen, dass uns Scooter am Gehsteig überholen.

Übrigens sind wir in guter 30er-Gesellschaft. Denn in Graz, Salzburg und Wien sind bereits über 70 % der Straßen temporeduziert. Auch Klosterneuburg hat sich schon lang vor Tulln, nämlich im Herbst 2021, gegen ein generelles Tempo von 50km/h im gesamten Ort entschieden. Mit gewohnt flottem Tempo darf man auch dort nur auf Bundes- und Landesstraßen fahren und wenn ich nicht irre auf der Wiener Straße. Als Ortsunkundiger müsst man halt wissen, welche die Wiener Straße ist … Tempo 30 gilt in Klosterneuburg übrigens auch für die Katastralgemeinden wie z.B. Kritzendorf.

Mein Buddy Mr. Google hat mir verraten, dass es mittlerweile fast 400 Gemeinden in Österreich gibt, die „Tempo 30“ vorgeben. Neben den Großstädten wie Wien, Graz und Salzburg viele steirische Gemeinden wie Admont, Bruck a.d. Mur oder Eisenerz. Aber auch Velden am Wörthersee, Hainburg a.d. Donau und noch viele viele mehr.

Schwierig wird es für Ortsunkundige. Für diese Zeitgenossen ist das neue Tempolimit tatsächlich eine Herausforderung. Weil die Zusatztafeln unter dem 30er Schild, mit den Ausnahme-Straßen, sind beim Vorbeifahren einfach nicht lesbar. Das klappt nur, wenn ihr stehen bleibt und die Tafel in Ruhe ins Visier nehmt. Nicht mal ein Beifahrer schafft es beim Vorbeizuckeln bis zur 3. Zeile. Ich weiß wovon ich rede. Habe ich nämlich erst kürzlich versucht. So schnell kann tatsächlich keiner lesen. Und die nächste Challenge für Nicht-Tullner: Woher sollen sie wissen, was z.B. die Franz-Josef-Straße ist?

Beispiel gefällig? Heute von Langenlebarn nach Tulln unterwegs. Vor mir Fahrzeuge aus St. Pölten und Klosterneuburg. Und ihr wisst, was jetzt kommt: Die eindeutig ortsunkundigen Herrschaften sprangen bei der Ortstafel in der Langenlebarner Straße in die Bremse und tuckerten dann gemütlich bis zur Donaubrücke ihren 30er dahin. Das war echt mühsam. Sowas nervt auch mich. Denn die Langenlebarner Straße ist nach wie vor 50er-Zone. Theoretisch …

Die 30er-Tempofalle schnappt aber auch zu, wenn man ein Gewohnheitstier ist und nicht permanent auf den Tacho schaut. Obwohl man langsam durch die Gegend zuckelt, kann dann gleich mal ein Höllentempo von 40 km/h erreicht werden. Ups!

Ortstafel Tulln mit Tempolimit und Zusatztafel für Ausnahmen

Deshalb an dieser Stelle gleich mal ein Bildchen, dass ich für euch geschossen hab.

Das könnt ihr nun in Ruhe anschauen und euch vielleicht mit den 50er Zonen schon mal vertraut machen.

Oder ihr lest einfach in die Info der Stadtgemeinde rein (HIER geht’s lang)

Die Hauptstraßen ins Tullner Zentrum wie die Königstetter Straße, die Staasdorfer Straße und die Langenlebarner Straße bleiben 50er Zone und auch die Hauptstraße von Langenrohr entlang des Messegeländes. Dazu im nächsten Absatz mehr …

Die „vielen“ Ausnahmen auf der Zusatztafel sind im Prinzip nämlich nur eine einzige Straße, die in ihrem Verlauf einfach immer den Namen wechselt. Sie startet entlang des Messegeländes als J. Reither-Straße und verläuft bis zum großen Kreisverkehr unter der Eisenbahnbrücke – dort nennt sie sich Wilhelmstraße. Das ist dort, wo ihr dann links zur Donaubrücke oder rechts Richtung Staasdorfer Straße weiterfahren könnt. Auf dieser Namen-wechsle-dich-Straße dürft ihr weiterhin 50 km/h düsen. Eh ganz einfach, oder? Wissen muss man’s halt …

Ach ja, und ebenfalls eine Ausnahme ist die Langenlebarner Straße. Hier dürft ihr ab der Ortseinfahrt Höhe Kino / OX bis zum Kreisverkehr bei der Donaubrücke euren 50er fahren. Aber Achtung! Beim Schulweg, der über diese Straße führt, steht ein Radar und dort ist eine kurze 30er-Zone.

An dieser Stelle möcht ich euch gern noch ein paar positive Vibes mitgeben. In dieser furchtbar schnelllebigen Zeit hat man uns mit dem 30er „ausgebremst“. Ja. Das stimmt. Wir kommen dennoch ans Ziel. Letztlich nur um ein oder zwei Minuten später. Aber vielleicht sollten wir im Leben eh öfters mal einen Gang zurückschalten und vielleicht stellen wir in ein paar Monaten fest, dass das gar nicht so schlecht ist.

In diesem Sinne:

Schaltet einen Gang zurück und liebe Grüße

die Tullnerin

Teile den Beitrag mit deinen Freunden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

2 Kommentare

  1. Avatar
    Herta Marie Seiser
    14. Juli 2026 / 21:23

    Hallo Tullnerin, wir wohnen in der Frauentorgasse gleich neben dem kleinen Bahnhof und haben uns schon gefreut, dass endich den Rasern aufs Pedal gedrückt wird,- aber leider war die Vorfreude schnell verflogen. Es hält sich kaum jemand an die 30, nein, sogar im Gegenteil! Abend für Abend, Nacht für Nacht finden hier noch immer die Poser ihren Präsentierteller! Beginnend mit Anlauf der aufheulenden Motoren donnern fette Audis, Mercedes, BMWs mit ungschaut 50! und plus! durch die Frauentorgasse und geben sich aus Nebengassen die üblichen Hatzerln. Solange die 30 bzw. 50 Tempolimits nicht mittels „Waschmaschinen“, immer a bissi woanders placiert, kontrolliert werden, wirds wohl nix mit dem echten Tempolimit! Als lärmgeplagte Anrainer haben wir jetzt unsere letzten Hoffnungstropfen ins Taschentuch verabschiedet…leider können wir uns nicht von unserer Eigentumswohnung so leicht verabschieden,- wir sind schon 70plus. Also bitte nicht nur aus Sicht eines Autofahrers bewerten! Ganz liebe Grüße OMIOPI erstere eine TULLNERIN-gern-Leserin

    • dietullnerin 15. Juli 2026 / 12:12

      Liebe Herta, vielen lieben Dank, dass du meinen Blog so gern liest. Das freut mich riesig.
      Das Thema mit den Typen, die mit ihren Autos und deren PS-Stärke angeben ist sicher extrem mühsam für euch. Das tut mir echt leid. In meiner Wohngegend haben wir Gottseidank keine Raser und Möchtegern-Rennfahrer. Bei solchen „Posern“ hilft leider gar nix außer empfindlich hohe Strafen. Obwohl ich eher ein Ermahner statt ein Abstrafer bin, würd ich sagen, dass man diese Typen nicht anders „erziehen“ wird können.
      Vielleicht findest du ja eine Lösung über die Gemeinde?
      Ich halte dir jedenfalls die Daumen, dass eine Lösung für mehr Ruhe in den Abend- und Nachtstunden gefunden wird.

      Liebe Grüße
      Die Tullnerin

Kooperation mit der Tullnerin

Gerne stehe ich für  werbliche Kooperationen zur Verfügung. Diese werden auch als solche gut erkennbar für die Leser gekennzeichnet. Allerdings behalte ich mir vor, Themen abzulehnen, mit denen ich mich nicht zu 100% identifizieren kann. Das bin ich mir und vor allem meinen Lesern/Leserinnen schuldig.

Für Anfragen bezüglich Kooperationen: info@die-tullnerin.at