Mai und September sind schon immer meine Lieblingsmonate zum Waldluft tanken. Im Frühling, wenn es noch nicht so heiß ist und es von Tag zu Tag grüner wird. Oder im Altweibersommer, wenn alles in goldenes Licht gepackt ist, die Nächte kühl, aber die Tage mitunter noch ganz schön sommerlich warm sind. Dann, ja dann liebe Leute pack ich meine Wanderschuhe und entdecke gern Ausflugsziele in der näheren Umgebung. Ich nenn das „Radius 30“, weil ich die Ziele meist in maximal 30 Minuten erreiche. So mag ich zum Beispiel die Habsburgwarte am Hermannskogel im Wienerwald sehr gern. Bei meinem letzten Ausflug war das Wetter optimal, nur leicht bewölkt und meine Wetter App prophezeite Regen erst für die Abendstunden. Also perfekt für einen spontanen Sonntagsausflug. Wenn ihr nun Lust auf mehr habt, dann lest einfach gern weiter …
Los geht’s …
Die Anfahrt startet über Königstetten und den Exelberg und dann mitten rein in den Wienerwald. Weiter dann über Weidlingbach und beim großen Parkplatz an der Kreuzung (beim „Grüass Di a Gott Wirt“) in der Sieveringer Straße im 19. Bezirk ist euer Ziel. Hier ist ein idealer Ausgangspunkt für diverse kleine Wanderungen. Aber natürlich auch für die Wanderung zur Habsburgwarte.

Wer denkt, dass der Wienerwald eh nur ein bisserl ein Spaziergang ist, der irrt gewaltig. Die Hügel schauen so sanft und harmlos aus. Wenn man trainiert ist, ja dann eh. Aber für Wochenend-Spaziergeher wie mich – Puh! Einige steile Passagen haben mir kurzfristig doch ein bissl Schnappatmung verursacht. Aber der Weg ist das Ziel und am Ende wollt ich unbedingt den Blick auf Wien genießen. Da nimmt man so ein bisserl Atemprobleme ja gern in Kauf …

Bis zum Hermannskogel, der laut Wikipedia zum Kahlengebirge gehört, geht man eine gute halbe Stunde. Je nachdem, wie oft man stehen bleibt, um die Natur zu genießen, Wildpflanzen aus der Nähe zu bewundern oder auch mal den Mountainbikern Platz macht. Die da mit fast halsbrecherischem Tempo bergab flitzen. Diese Art der rasanten Begegnung haben sich aber glücklicherweise in Grenzen gehalten.
Wie aus einem Märchen …


Die Habsburgwarte ist der höchste Punkt von Wien und wurde 1888 vom Österreichischen Touristenklub (ja den gab es damals schon) erbaut.
Optisch ähnelt sie einem mittelalterlichen Wehrturm. Man wartet beinah drauf, dass Rapunzel hinter einem der putzigen Fenster erscheint und mal eben ihr Haar herunter lässt. Oder, dass zumindest ein Burgfräulein auf der Aussichtsplattform wartet.

Um auf den Aussichtsturm rauf zu dürfen, ist ein Beitrag von 1,- Euro pro Person zu bezahlen. Ich nehme mal an, dieser kleine Obolus dient zur Erhaltung des Prachtstücks. Danach steht der Erklimmung über eine Wendeltreppe bis in luftige 27 Metern Höhe aber nichts mehr im Wege.
Netterweise wird einem anhand eines Schildes, das gleich neben der Erinnerungstafel an die großzügigen Stifter der Warte hängt, auch gleich mitgeteilt, dass man die Hausbewohner (ca. 1,5 Meter lang und ihres Zeichens Äskulapnattern) möglichst ruhen lassen möge. Aber keine Angst, sie wohnen eh nicht IM Turm, sondern drunter. Der Turmwärter (Wächter) hat uns aber beruhigt, man wird sie bei diesen Temperaturen wohl nicht zu Gesicht bekommen. So ein Glück, dass ich mir die Wendeltreppe nicht mit ihnen teilen musste…

Der Blick über Wien ist wirklich unglaublich schön. Bei meiner Wanderung im September 2021 blieb es aber leider bei einem ziemlich kurzen Ausblick. Denn kaum oben angekommen fing der Himmel auch schon an zu „weinen“.
Aussichtswarten eignen sich übrigens auch hervorragend, um in Rekordtempo zum Profi-Meteorologen zu mutieren. Denn während der Blick auf’s fleckerlweise durchaus sonnige Wien samt Wattebauscherl-Wolken in die Kategorie „oooooh wie schön“ fiel, verriet der Blick in Richtung Westen nix Gutes. Grau – Dunkelgrau – Schwarz!
Ich konnte also mit freiem Auge und ziemlich treffsicher Starkregenwetter voraussagen. Besser als jede App. Denn dieses unzuverlässige Ding zeigte zu diesem (bereits seeeehr nassen) Zeitpunkt noch immer KEINEN Regen an.
Die Jägerwiese und das Agnesbrünnl
Egal ob ihr vor Regen flüchten müsst oder einfach gemütlich einkehren wollt. Das Gasthaus Agnesbrünnl bietet sich da für einen gemütlichen Aufenthalt an.
Wann immer ich hier vorbei komme, ist das Lokal ziemlich gut besucht und die Gäste wirken alle sehr zufrieden und vor allem satt. Ich gestehe, ich hab mich natürlich noch nicht durch die ganze Speisekarte durchgefuttert. Aber das, was ich probiert hab, war echt fein und da gab es auch nichts zu meckern.
Übrigens: Zum Agnesbrünnl gehört auch ein großer Garten mit riesigen Kastanienbäumen, die mich ein bisschen an einen bayrischen Biergarten erinnern. Gleich nebenan ist die Jägerwiese und ein großer Spielplatz, wo sich die Kids richtig austoben können. Hauptattraktion für die Kinder sind hier aber die vielen Tiere wie Esel, Hund, Katz, Schweinchen und Meerschweinchen.
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Das Gasthaus zum Agnesbrünnl (hier klicken) hat ganzjährig ab 9.00 Uhr geöffnet, warme Speisen gibt’s bis 16 Uhr, danach kleine kalte Speisen. Sperrstund ist um 18 Uhr – Ruhetag: Montag und Dienstag – am besten informiert ihr euch auch direkt auf der Website des Gasthauses.
Tipps und Infos
Die Habsburgwarte (klick auf den Link) ist von Anfang April bis Ende Oktober geöffnet. Allerdings nur am Wochenende und an Feiertagen. Samstag 13.00 bis 18.00 Uhr, Sonn- und Feiertage 10.00 bis 17.00 Uhr.
Diese Tour (Stadtwanderweg 2) kann man gut mit Kindern gehen, für Kinderwagen ist aber nur ein Teil der Strecke geeignet. Wenn euch eure Wauzis begleiten: Dank Wald natürlich schattig, doch gibt es hier keinen Bach und keine Wasserstellen, wo sie sich an sehr heißen Tagen abkühlen könnten.
Wenn ihr gern in der Natur unterwegs seid, dann könnte euch vielleicht auch meine Geschichte über die Hagenbachklamm (klicke auf den Link) interessieren …
Ich hoffe, dieser Beitrag ist ein bisschen Anregung für eure Freizeit-Gestaltung.
Liebe Grüße, griaß euch und bis bald
die Tullnerin
P.S. Übrigens: Ich habe bei einer meiner Frühlingstouren hier dutzende Spaziergänger gesehen, die Bärlauch gesammelt haben. ABER ich hab auch reichlich Herbstzeitlose gesehen – und Leute, die sind sich hoch-hochgiftig! Also aufpassen und definitiv nicht auf Wiesen pflücken!!! Denn dort wächst Bärlauch in trauter Zweisamkeit mit Herbstzeitlose. Augen auf und Achtsam-Sein!!!



