Viele von euch kennen die Auskocherei ja bereits. Alle anderen lade ich gleich mal dazu ein, weiter zu lesen. Denn da gibt’s einige Neuigkeiten. Auch für die, die meinen, das Lebensmittelretter-Projekt eh zu kennen. Gleich vorweg. Aus Food Point wurde die Auskocherei. Und die Auskocherei wurde zum LSK-Lebensmittel-Sind-Kostbar-Laden. Gleich geblieben ist, dass hier seit 2022 Tullner Lebensmittelretter tonnenweise Obst, Gemüse, Milchprodukte, Süßes und vieles mehr vor dem Müll retten. Nun war es aber höchst an der Zeit, sich um ein neues Geschäftslokal umzusehen. Und das wurde auch gefunden. Mitten im Zentrum. Ganz hinten in der City-Passage (Hauptplatz 2), in der ihr auch das japanische und das griechische Lokal findet.
Die Idee des Lebensmittelrettens
… stammt von einem gewissen Alexander Mühlhauser, der den starken Drang verspürte, hilfsbedürftigen Menschen zur Seite zu stehen. Aus der Idee entwickelte sich ein Verein namens START UP. Anfangs bestand die Hilfe noch aus plaudern und reden und der Umverteilung von Second Hand Ware. Doch wie ich immer gern sag: „Der Zufall geht Wege, da führt die Absicht gar nicht hin“. Und so kam Alexander in die Wiener Dumpster-Szene, die sich nächtens auf den Weg macht, um Lebensmittel aus den Mülltonnen der Supermärkte zu retten.
Es folgte die Erkenntnis, dass der sprichwörtliche Wurm nicht im Apfel, sondern in unserem Wirtschaftssystem beheimatet ist. Das führte in weiterer Folge zur Idee, Lebensmittel zu retten, BEVOR sie im Müll landen. Schließlich gibt’s Angenehmeres als im Mistkübel nach brauchbaren Lebensmitteln zu suchen. Daraus entwickelte sich das Projekt Food Point. Soweit die leicht gekürzte Version – wer jetzt neugierig geworden ist, der sollte unbedingt hier klicken, um die ganze interessante Story zu lesen.
Es war einmal: Food Point in Tulln

Erinnert ihr euch noch an das mittelschwere Verkehrschaos im Frühjahr 2022? Als die Food Pointer aus Wien mit gratis Lebensmitteln am Tullner Hauptplatz von den Menschenmassen fast überrannt wurden? Die Lebensmittel-Verschenk-Aktionen wurden leider nicht allzu lang durchgeführt. Weil bei den Wiener Food Points die Nachfrage nämlich immer größer wurde und einfach keine zeitlichen Kapazitäten mehr für Tulln übrig waren.
ABER die Idee wurde einige Monate später hier in Tulln neuerlich aufgegriffen und umgesetzt. Und zwar als neu gegründeter Verein (der natürlich den Grundsätzen des Wiener Originals treu blieb). Ins Leben gerufen von Tatjana Gruber und Zoltan Kis. Die sich aber nach einiger Zeit aus dem Verein zurück zogen und das Ruder Tochter Laura übergaben.
Eigentlich ist es fast unglaublich, dass es dermaßen viele gerettete Nahrungsmittel gibt, dass man tonnenweise Essen verschenken bzw. gegen eine kleinen Unkostenbeitrag abgeben kann. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: täglich werden zwischen 15.000 und 25.000 kg Lebensmittel von Food Point-Helfern (diese Zahlen stammen aus Wien, Stand März 2022) bei so gut wie allen Lebensmittelhändlern eingesammelt. Da kann man eine Menge Bäuchlein damit satt machen.
Aus Foodpoint wurde „LSK – Lebensmittel sind kostbar„
Und ja, ihr habt richtig gelesen. Grundsätzlich werden die Lebensmittel von den Supermärkten an den mittlerweile umbenannten Verein (nennt sich seit geraumer Zeit LSK – Lebensmittel sind kostbar) verschenkt.
Aber es führt leider kein Weg dran vorbei, dass man einen kleinen Unkostenbeitrag beim Endkunden einheben muss. Schließlich will auch der Tank des Lieferwagens (der die Supermärkte abklappert) irgendwie „gefüttert“, gelegentlich repariert und die Miete für den Laden bezahlt werden. Von den Energiekosten will ich da noch gar nicht reden …

Die Lebensmittel sind natürlich in Ordnung. Es handelt sich einfach um Restposten oder Überproduktionen bei denen dann z.B. das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) schon vorsichtig anklopft.
Da möchte ich jetzt unbedingt noch drauf hinweisen, dass „mindestens haltbar bis“ nicht gleichbedeutend ist mit „tödlich ab“.
Hab ich schon zig Mal getestet (und leb noch immer). Das MHD sagt absolut nix aus. Sogar Milchprodukte halten oft locker 1 Woche über das MHD drüber. Mit Hausverstand und einer guten Nase lässt sich das relativ einfach überprüfen. Und wenn ich dann Salz sehe, frag ich mich sowieso, wie kann das ein paar Millionen Jahre alt sein und kaum abgefüllt, gibt’s da plötzlich ein Ablaufdatum? Das find ich wirklich seltsam.
Aber der Verein LSK sammelt und verteilt nicht nur die MHD-Stückerl, sondern auch Überproduktion wie z.B. palettenweise Eiscreme, Joghurt, oder schnell mal 1.500 kg Ketchup eines bekannten Herstellers. Es muss vor etwa einem Jahr gewesen sein, als man von Darbo palettenweise Marmelade und Honig aus Überproduktion in den Tullner LSK lieferte.

Robin-Hood-gleich (oder sollt man eher Robin Food sagen) werfen sich die Team-Mitglieder jedenfalls auch für Obst- und Gemüsesorten, die rein optisch nicht ganz makellos sind, mächtig ins Zeug. Speziell Bananen werden oft nicht mehr gekauft, wenn sie ein paar braune Flecken auf der Schale haben, sind aber genau da perfekt für Schoko-Bananenbrot.
Ebenfalls bei den geschmähten Waren sind oft welche, deren Verpackungen beschädigt sind. Aber keine Sorge, denn die Lebensmittel-Rettung braust mit ihrem Lieferwagen zum löblichen Rettungseinsatz.
Auf das ja nix verloren gehe, wurde 2022 auch noch die Auskocherei gegründet. Hier gab’s bis vor kurzem warme Mittagsmenüs um wenig Geld und manch ein Kunde hat für eine sogenannte Menü-Spende nochmal extra ins Börserl gegriffen. Damit für Menschen, denen es finanziell mehr schlecht als recht geht eine warme Mahlzeit gesichert ist.
Änderung bei der Auskocherei
Und jetzt kommt’s. Es wird keine Menüs bzw. warme Speisen mehr geben.
Da ja alle Mitarbeiter ehrenamtlich im LSK und in der Auskocherei (die es so nun nicht mehr gibt) tätig sind, war man irgendwann an die Grenzen gestoßen. Laura Gruber und ihre Eltern haben ja Vollzeit-Jobs und Lebensmittel so ganz nebenbei retten ist da ein riesiger Zeitaufwand. Das Kochen für die Mittagsmenüs wurde zur immer größeren Belastung. Und wird im neuen Geschäft deshalb auch nicht mehr angeboten.

ABER ein kleines Trostpflaster. Auf Kaffee und Kuchen dürft ihr euch auch weiterhin freuen. Es gib nämlich nach wie vor einen kleinen Sitzbereich, wo man sehr gern ein Päuschen einlegen darf.
Darf hier jeder einkaufen?
Kurz und knackig: JA!!!
Absolut jeder ist herzlich willkommen. Man muss weder Lohnzettel noch sonst was vorlegen, um in den Genuss eines Einkaufs zu kommen. Hier geht’s in erster Linie um die Lebensmittelrettung. Und die geht jeden was an, ganz unabhängig von der Höhe des Gehalts. Aber natürlich in Zeiten wie diesen spielt auch der soziale Faktor eine große Rolle. Somit sind alle Robin „Foods“ herzlich eingeladen, mit Messer und Gabel in den Kampf gegen die Verschwendung zu ziehen.
LSK setzt auf Nachhaltigkeit …
Abgesehen davon, dass Nahrung in unseren Bauch und nicht in die Tonne gehört, ist die Rettung und Verwertung ebensolcher nicht nur gut fürs Geldbörserl, sondern auch nachhaltig und Ressourcen schonend.
Schließlich macht es wenig Sinn, wenn dauernd emsig nachproduziert wird, weil die Waren weggeworfen werden. Produktion bedeutet letztlich nämlich Ressourcen wie Energie (Treibstoff), Düngemittel (Kunstdünger wird mit Erdöl hergestellt) und Muskelkraft der Landwirte. Dazu gesellen sich noch jede Menge Strom, Gas und ebenfalls Arbeitskraft bei den verarbeitenden Unternehmen. Momentan alles hochpreisig und irgendwie Mangelware. Also höchste Zeit, sparsam damit hauszuhalten.

Übrigens, wenn wir schon beim Thema sind: Nachhaltigkeit gilt übrigens auch für Gebrauchsgegenstände und speziell auch für Kleidung. Ich sag nur Fast Fashion!
Sofern in Ordnung, könnt ihr schöne Kleidung statt in den Altkleider-Container oder in die Mülltonne zu werfen, gerne auch im LSK-Laden vorbei bringen. HIER geht’s zur Info, was gerne angenommen wird. Bitte bedenken, dass nur noch mittwochs Spendenannahme-Tag ist.
Auch Dekoartikel werden angenommen. Aber bitte nicht in rauen Mengen. Denn der Platz ist ziemlich begrenzt. Aber es gibt reichlich Leute, die froh sind, wenn sie für sich, ihre kleinen Lauser oder Teenager, die noch in der Wachstumsphase sind, günstig Klamotten kaufen können. Oder vielleicht auch mal ein nettes Deko-Teil fürs gemütliche Zuhause.
Sollt im LSK mal kein Platz für diese Dinge sein, dann gibt’s noch zwei weitere Möglichkeiten, wo ihr gut erhaltene Dinge spenden könnt. Nämlich im Henry-Laden vom Roten Kreuz, der in Tulln in der Jahnstraße 41 (Hier gehts zum Artikel) eine Second-Hand-Boutique betreibt. Oder beim SooGut-Markt in der Frauentorgasse 10 (wo neben dem Second Hand Shop auch Lebensmittel im Sozialmarkt eingekauft werden können).
Also dann – lasst uns Lebensmittel retten, lasst uns Ressourcen sparen – kurz gesagt: lasst uns einfach die Welt retten!
Liebe Grüße
Die Tullnerin
Der Beitrag über Food Point bzw. die Auskocherei entstand im November 2022. Aufgrund der vielen kleineren und auch größeren Änderungen hab ich den Artikel allerdings nun komplett neu aufgesetzt.



Ich finde diese Idee wirklich großartig!!! Auch wenn ich es mir sicher „noch“ leisten kann, in den großen Märkten einzukaufen, werde ich diesen Markt in Zukunft sicher sehr oft nutzen. Meinen entsprechenden Unkostenbeitrag werde ich ganz bestimmt sehr gerne und großzügig leisten, denn es ist mir weitaus lieber ein Projekt dieser Art zu unterstützen, als die großen noch größer zu machen.
Vielen Dank liebe „Tullnerin“ für diesen Beitrag
Autor
Lieber Berthold! Auch ich kann mir Gottseidank einkaufen im Geschäft leisten, geh aber lieber zu Bio-Bauern, Hofläden (oder hol Bärlauch und Brennnessel aus der Au).
Aber die Lebensmittelverschwendung zu stoppen hat glücklicherweise nix mit dem Geldbörserl zu tun, sondern ist einfach ein Statement. Viel zu viel hat sich in die falsche Richtung entwickelt und es liegt an uns Konsumenten „Stop“ zu sagen … Und ich glaub, wir alle können das gemeinsam schaffen!
Super Idee.
Bin Gott sei Dank auch noch in der Lage in den Supermärkten einkaufen zu gehen.
Nichtsdestotrotz werd ich euer Geschäft sicher mal besuchen und Lebensmittel retten.
lg
Autor
Liebe Petra, das Team vom Food Point freut sich über jeden einzelnen, der dort einkauft und vielleicht auch das eine oder andere Mal in der Auskocherei Essen konsumiert.
Habe mit der Lebensmittelrettung Wien beste Erfahrungen gemacht und bin nun neugierig geworden und freue mich auf einen Besuch bei der Lebensmittelrettung Tulln.
Autor
Hallo Karl, ich glaube, dass du auch beim Tullner Foodpoint sehr zufrieden sein wirst. ?
LG die Tullnerin
Die Ortsänderung des FoodPoints Tulln ist sehr schade – jetzt kann man nicht mehr direkt vorm Geschäft parken (war schon länger nicht mehr dort, weil es mit zu teuer wurde – im Vergleich zum SooGut!, deswegen wusste ich nichts drüber)!
Jetzt muss man in der Garage unterm Hauptplatz parken und schleppen…