Lebensmittel-Rettung: Foodpoint

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Ich greif mir ja seit Jahren an den Kopf 🤦‍♀️ , weil ich die Logik von Wirtschaft nicht ganz versteh (drum bin ich auch noch immer kein Millionär). Bis kurz vor Geschäftsende muss ALLES erhältlich sein, anstatt dass Semmerl etc. schlicht und einfach halt mal ausverkauft sind. Gleiches gilt für Obst, Gemüse 🥦 und was weiß ich noch alles. Und wenn’s dann über bleibt? Ab in die Tonne. Wann haben Menschen beschlossen, Lebensmittel nicht mehr als wertvolle NAHRUNG zu sehen? Ist es Arroganz oder Dummheit? Da lob ich mir doch Start-Ups, die sich der Lebensmittel-Rettung verschrieben haben. Über eines dieser Projekte, das Essen nicht nur rettet, sondern es auch noch quasi verschenkt – und das sogar bei uns in der Stadt – möcht ich euch erzählen. Wer’s nicht glaubt, der sollte jetzt definitiv weiter lesen …

Es war einmal …

… ein gewisser Alexander Mühlhauser, der den starken Drang verspürte, hilfsbedürftigen Menschen zu helfen. Aus der Idee entwickelte sich ein Verein namens START UP. Anfangs bestand die Hilfe noch durch Gespräche und Umverteilung von Second Hand Waren. Doch wie ich immer gern sag: “Der Zufall geht Wege, da führt die Absicht gar nicht hin”. Und so kam Alexander in die Wiener Dumpster-Szene, die sich nächtens auf den Weg macht, um Lebensmittel aus den Mülltonnen der Supermärkte zu retten. Es folgte die Erkenntnis, dass in unserem System irgendwie ein Wurm drin ist. Das führte zur Idee, Lebensmittel zu retten, BEVOR sie im Müll landen. Das ist die leicht gekürzte Version – wer jetzt neugierig geworden ist, der sollte hier klicken, um diese ziemlich interessante Story zu lesen.

Die Foodpointer in Tulln …

Eigentlich unglaublich, dass es dermaßen viele gerettete Nahrungsmittel gibt, sodass man mittlerweile nicht nur in Wien tonnenweise Essen verschenken kann (wobei Spenden sehr willkommen sind), sondern die Initiative sogar nach Niederösterreich ausgeweitet werden konnte. Egal ob Traiskirchen, Hollabrunn oder nun eben auch in Tulln. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: täglich werden zwischen 15.000 und 25.000 kg Lebensmittel von Foodpoint-Helfern bei so gut wie allen Lebensmittelhändlern eingesammelt.

Leider kennen bislang nur wenige Tullner diese Aktion. Die Foodpointer waren nun schon dreimal am Tullner Hauptplatz, doch sie wurden kaum wahrgenommen. In Zeiten wie diesen, wo die Inflation rasant steigt, viele durch Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit den Gürtel enger schnallen mussten (und von den horrenden Energiekosten red ich noch nicht mal), sind Gratis-Lebensmittel ein absoluter Segen.

Und ja, ihr habt richtig gelesen. Grundsätzlich sind die Lebensmittel gratis. Aber eine Spende wird mehr als gern angenommen. Schließlich muss auch der Tank des Lieferwagens 🚗 irgendwie “gefüttert” und die Miete für die Lager bzw. Märkte in Wien bezahlt werden. Also gebt, was es euch wert ist bzw. was euch möglich ist …

Aktualisierung 25.3.2022: Während die ersten drei Aktionen von den Tullnern kaum registriert wurden, verursachte der vierte Besuch von Foodpoint ein mittelstarkes Verkehrschaos. Darum musste man umdisponieren, ließ eine Freitagstour aus und hat die Tulln-Route jetzt wieder im Programm. Bis auf weiteres werden an den Freitagen wieder Lebensmittel gerettet. Allerdings nicht am Hauptplatz sondern auf der Mühlwiese (direkt beim Messegelände). Die Termine und ob Tulln auf der NÖ-Tour am Plan steht könnt ihr auf der Facebookseite der Foodpointer nachlesen.

Die Lebensmittel-Retter und ihre Freitags-Tour

Grundsätzlich ist zu sagen, dass die Lebensmittel alle einwandfrei und in Ordnung sind. Es handelt sich einfach um Restposten oder Überproduktion bei der dann z.B. das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) anklopft. Jetzt möchte ich dazu gern anmerken, dass “mindestens haltbar bis” nicht gleichbedeutend mit “tödlich ab” ist 🤣 . Denn ich hab’s schon zig Mal getestet (und leb noch immer). Das MHD sagt absolut nix aus. Sogar Milchprodukte halten locker 1 bis 2 Wochen über das MDH drüber. Und so fanden unlängst gleich mal 1.500 kg Ketchup eines sehr bekannten Herstellers ihren Weg zu den Foodpointern, die diese dann unters Volk brachten.

Aber die Lebensmittel-Rettung sammelt und verteilt nicht nur die MHD-Stückerl, sondern eben auch Überproduktion wie vor gar nicht langer Zeit zwei Paletten mit Eiscreme oder Soja-Heidelbeer-Joghurt. Robin-Hood-gleich (oder sollt man eher Robin Food sagen?) werfen sich die Team-Mitglieder auch für Obst- und Gemüsesorten, die rein optisch nicht ganz makellos sind, mächtig ins Zeug. Wusstet ihr übrigens, dass z.B. zu große Erdäpfel vom Handel nicht genommen werden? Oder Äpfel, die nicht dem geforderten Schönheitsideal entsprechen? Ein Glück für uns, denn Foodpoint reisst sich um diese Sachen.

Ebenfalls bei den geschmähten Waren sind die, deren Verpackung beschädigt ist. Aber keine Sorge, denn die Lebensmittel-Rettung braust (zwar nicht mit Blaulicht, aber mit voller Ladefläche) hurtig heran.

Lebensmittel retten – das macht Sinn …

Abgesehen davon, dass Nahrung in unseren Bauch und nicht in die Tonne gehört, ist die Rettung und Verwertung ebensolcher nicht nur gut fürs Geldbörserl, sondern auch nachhaltig und ressourcenschonend.

Schließlich kann’s nicht sein, dass dauernd nachproduziert wird, nur weil die Waren weggeworfen werden. Produktion bedeutet letztlich nämlich Ressourcen wie Energie 🚜 , Düngemittel und Muskelkraft der Landwirte sowie jede Menge Strom, Gas und ebenfalls Arbeitskraft bei den verarbeitenden Unternehmen zu verschwenden.

Wenn wir schon beim Thema sind: Gleiches gilt übrigens auch für Gebrauchsgegenstände und 👗 Kleidung. Sofern in Ordnung, muss man die nicht in den Altkleider-Container oder Müll werfen, sondern kann diesen Dingen eine 2. Chance geben. Nämlich z.B. im Henry-Laden vom Roten Kreuz, der erst kürzlich in Tulln den 3. Laden im Bezirk eröffnet hat. Hier gehts zum Artikel. Oder aber beim SooGut-Markt in der Frauentorgasse.

Wer über die aktuellen Niederösterreich-Touren von Foodpoint informiert sein möchte, der kann den Lebensmittel-Rettern auf Facebook folgen (hier klicken) oder auf der Website des Vereins rein schauen.

Wie seht ihr das Thema Lebensmittel wegwerfen? Schreibt mir doch im Kommentar eure Meinung!

Also dann – schaut vorbei, wenn freitags die Lebensmittel-Retter wieder in Tulln aktiv sind. Oder teilt diesen Artikel unter euren Freunden, damit möglichst viele von der Aktion erfahren.

Bis bald, Griaß euch und Baba

Die Tullnerin

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