(aktualisiert im März 2026) – Seit einigen Jährchen können wir Tullner gemeinsam Garteln und zwar direkt an der Donaulände. Fast ein bisschen unscheinbar im Bereich des Schiele-Museums wartet das kleine Gärtchen auf viele Helfer mit grünem Daumen. Mit Holzzaun begrenzt und mit Hinweistafel versehen, dass es sich hierbei um ein „Natur im Garten“-Projekt handelt. Für alle, die nicht wissen, wovon ich grad schreib. Es handelt sich um den 1. Tullner Kräuter-Naschgarten. Ein Projekt, bei dem es ums Miteinander (im Sinne der Aktion Stadt des Miteinander), um Selbstversorgung und um Green Living geht.
Der Weg zur Praxis war schiarch …
Aber der Reihe nach. Gegründet wurde der 1. Tullner Kräuter-Naschgarten von Ing. Michaela Nikl. Und zwar bereits im Juli 2015. Warum und weshalb hat sie mir bei einem Kaffeeplauscherl erzählt.
Michaela hatte damals im angrenzenden Haus die Praxisräume für ihr noch junges Unternehmer-Netzwerk „Lebenszeichen“ und ging tagtäglich an der optischen Grausamkeit vorüber. Naturgarten ist ja schön und gut. Aber DAS! Also ehrlich, eine Augenweide schaut ein bisserl anders aus. Eher eine richtige „Gstettn“, wie man bei uns so schön sagt. Michaela fand: „Das ist ja richtig schiarch“ und beschloss, aktiv zu werden …

Wie ihr vielleicht wisst, gibt es in Tulln ja seit einigen Jahren die Möglichkeit der Grünpatenschaften. Also nahm Michaela kurzerhand mit der Gemeinde Kontakt auf. Vor ihrem geistigen Auge schwebten ihr aber nicht einfach nur Blumen oder Sträucher vor. Sondern Urban Gardening mitten in Tulln. Der Vorschlag wurde mehr als gut aufgenommen, der Kontakt mit dem Stadtgärtner Mario Jaglarz umgehend hergestellt.
Viele fleißige Helferleins …
Schon bald wurde dann mit etlichen Helfern (Weggefährten der Praxis Lebenszeichen) gegraben, begradigt und Steine für den Weg verlegt. Mit Feuereifer dabei auch Michaelas Sohn Christoph, der damals gerade mal sechs Jahre alt war. Was beweist, dass auch Kinder am Garteln Spaß haben.

Ein Großteil der Pflanzen wurde im Rahmen der Grünpatenschaft von der Stadtgemeinde gesponsert. Immer mit dabei: Stadtgärtner Mario, der mit Rat und Tat zur Seite stand. Aber es wurde nicht nur Essbares gepflanzt. Womit ich nun auch gleich den Übergang zu Weiden hätte: Als AugenWEIDE wurde nämlich auch ein WEIDEN-Dom aufgestellt. Die diversen Sturmattacken und einige Jährchen am Buckel – Pardon, ich meine auf der Kuppel – haben dafür gesorgt, dass der Anblick irgendwann nicht mehr ganz so adrett ins Auge stach.

Zum Verschnaufen – Gärtnern ist ja mitunter anstrengend, da muss ein Päuschen wohl erlaubt sein – wurde mittlerweile ein neues Bankerl aufgestellt. Von hier aus kann man dann zufrieden auf den Fortschritt im Gärtchen schauen. Oder eine Runde fachsimpeln mit anderen Hobbygärtnern.
Alles in allem haben viele Menschen zusammen geholfen und aus dem unscheinbaren Fleckchen Erde etwas Wunderbares geschaffen. Ganz im Sinne der Gartenstadt Tulln. Gemeinsam statt im Alleingang. Das ist einfach toll.
Michaela ist insbesondere stolz darauf, dass so viele unterschiedliche Pflanzen gedeihen. Im Laufe der Jahre ist ihre Anzahl durch Ableger und Neuanschaffung noch sehr gewachsen. Einiges hat sie selbst beigesteuert, anderes kam von Freunden und Nutzern des Kräuter-Naschgartens.
Urban Gardening an der Donaulände …
Auf kleinstem Raum ist trotzdem reiche Ernte zu finden. Dank verschiedener Obstbäume wie Kirsche, Apfel, Birne und Ringlotte. Oder weil sich Obststräucher wie Aronia, Ribisel, Josta- und Stachelbeere hier ziemlich wohl fühlen. Zusätzlich haben die Erdbeeren ihr ursprüngliches Terrain erweitert, Minzarten und Kräuter gedeihen bestens und jetzt im zeitigen Frühjahr sogar der Wilde Knofl (auch unter Bärlauch bekannt).
Ziel war natürlich in erster Linie, den wenig schmeichelhaften Weg zur Praxis zu verschönern. Und dem Ganzen noch zusätzlich Sinn zu geben, indem ein Nutzgarten angelegt wurde. Der jedoch nicht nur für ein paar wenige Menschen da sein soll. Vielmehr handelt es sich um einen Gemeinschaftsgarten, der die Tullner mit frischem Obst und Gemüse erfreuen soll. Natürlich sollte mit Maß und Ziel geerntet werden, damit mehrere Menschen was davon haben.
Grundsätzlich darf jeder mithelfen und auch jeder ernten. Aber vorrangig sind Menschen angesprochen, die in den vielen Wohnungen ohne eigenen Garten direkt im Zentrum leben. Ich denke da an die neuen Wohnungen wie etwa in der Wiener Straße. Oder in der Nibelungengasse oder neben dem Diamond Hotel. Da sind jede Menge Wohnungen errichtet worden. Hier leben hunderte Menschen ohne Garten, doch der eine oder andere würd vielleicht gerne ein bisserl garteln. Also ihr Lieben, fühlt euch angesprochen und eingeladen!!!
Speziell an heißen Sommertagen, wenn die Pflänzchen etwas saftlos da hängen, sind Helfer sehr willkommen. Da greifen auch schon mal gerne vorbei kommende Spaziergänger zur Gießkanne. Werkzeug und Gießkannen sind übrigens immer vor Ort. Das Wasser kann beim naheliegenden Hydranten geholt werden.

Wer möchte sich anschließen?
Hilfe ist auch deshalb sehr gewünscht, weil Michaela mit ihrem Business mittlerweile an eine neue Adresse gewechselt hat und nur mehr unregelmäßig am Naschgarten vorbei kommt. Die Koordination wurde deshalb von der Initiative Stadt des Miteinanders übernommen.
Wer sich jetzt auf seine (mehr oder weniger) gärtnerischen Talente angesprochen fühlt, der möge sich doch bitte mit der Koordinatorin vom Stadt des Miteinanders in Verbindung setzen. Hier könnt ihr einfach per Mail Kontakt aufnehmen.
Da der Garten immer frei zugängig ist, kann jederzeit ein bisschen gegartelt werden. Bei vielen Helferleins, die dem Unkraut zu Leibe rücken, mit der Gartenschere auf du und du sind und die durstigen Pflänzlein gern umsorgen, sollte eine reiche Ernte im Sommer dann wohl kein Problem sein. Und da darf dann auch kräftig genascht werden …
Ich wünsch euch viel Spaß beim Garteln im 1. Tullner Kräuter-Naschgarten
die Tullnerin

