Egon lässt grüßen …

Titelbild Schiele-Weg

Kunst & Kultur hab ich bis jetzt ja eher stiefmütterlich behandelt. Bin ich doch eher der Wald & Wiesen-Fan mit starker Tendenz zum Frühstücks-Treff mit Freunden. Doch heuer hab ich mir einen Ruck gegeben. Denn bei meinen Spaziergängen bin ich immer wieder an Hinweistafeln am „Schiele-Weg“ vorbei gestapft. Und irgendwann dachte ich, es ist doch eigentlich schade, dass ich als Tullnerin das Thema „Schiele“ immer außen vor lass. Ich hab also kürzlich wieder meine Turnschuh geschnürt und mich auf meine persönliche Egon-Entdeckungs-Tour entlang der dreizehn Stationen (Infotafeln in großen Fels- bzw Steinblöcken entlang des Weges) gemacht .

Weil ich manchmal das Gefühl habe, dass Tulln-Touristen den Egon weit mehr schätzen als wir „Einheimischen“, möcht ich euch nun ein bisschen Gusto drauf machen, kulturelle Einrichtungen nicht nur fernab der Heimat zu besuchen. Sondern hier direkt vor eurer Nase. Wenn ihr alles gemütlich angeht, könnt ihr tatsächlich einen ganzen Tag lang auf den Spuren Egons wandeln. Also lasst uns ein bissl Kultur schnuppern und nebenbei was Feines schnabulieren …

Damit euch nicht „der Plan fehlt“, wo es lang geht, gibt’s einen Rundweg-Plan. Der liegt im Geburtshaus zur freien Entnahme auf. Weiters gibt es vor dem Geburtshaus, wo der Weg startet, eine Infotafel, auf der der Plan abgebildet ist. Und über die Stadtgemeinde könnte ihr HIER eine Google Maps-Karte aufrufen, wo die Stationen des Weges ebenfalls eingezeichnet sind.

Galerie im "Schiele-Stil" mit Pflanzenmotiven am Bahnhofseingang
Galerie im Eingangsbereich des Bahnhofs im Schiele-Style

… und zwar nicht nur für die Herrschaften, die via REX oder S-Bahn anreisen. Denn am Bahnhof startet die Tullner Schiele-Tour (Station 1). Schließlich tat ja auch genau dort der kleine Egon seinen ersten Schrei. Als Sohn des Bahnhof-Vorstehers kam der Knirps nämlich in der Dienstwohnung des Tullner Bahnhofs zur Welt und startete von dort aus sein außergewöhnliches und bedauerlicherweise ziemlich kurzes Leben.

Das Geburtshaus wurde als Mini-Erlebniswelt im Stil der Gründerzeit gestaltet. Dank Audio-System könnt ihr gemächlich in die Geschichte der Familie Schiele eintauchen und euch ein Bild vom Leben Ende des 19. Jahrhunderts machen.

Egon Schieles Geburtshaus mit nachgestelltem Wohnraum. Hier zu sehen ein weißer Kachelofen mit grauem Stuhl und Fußhocker. Im Hintergrund rosa Tapeten mit typischem Jugendstil-Muster
Am Tullner Bahnhof startet mein Schiele-Ausflug

Neben den vielen Fotos und Dokumenten aus der Zeit rund um 1900 fand ich den nachgestellten Wohnraum echt klasse. Dort seht ihr übrigens rote Druckknöpfe an den Wänden. Mit diesen aktiviert ihr das Audio-System und könnt noch tiefer in die Geschichte eintauchen – ähm ich meine rein hören.

Besonders spannend fand ich die alten Fotos. Beim Betrachten dachte ich, dass da durchaus meine Urgroßeltern auch irgendwo mit abgebildet sein könnten. Und mir wurde bewusst, dass die den Senior-Schiele als auch den kleinen Egon vermutlich gekannt hatten. Tulln war damals ja sehr überschaubar, wo jeder fast jeden kannte. Schade, dass ich die Urlis nicht mehr fragen kann …

Eintritt ins "Schiele-Geburtshaus" mit einem Bildnis von Schiele auf der Eingangstür und dem Münzapparat auf der linken Seite
Einfach Münze einwerfen und los geht’s

Der Zutritt ist super einfach. Ihr müsst lediglich eine 2-Euro-Münze für das automatische Zutrittssystem mit dabei haben. Der Münzapparat ist direkt neben der Eingangstür im 1. Stock und dann steht eurem Entdeckergeist nix mehr im Weg.

Die Öffnungszeiten sind extrem besucherfreundlich und unkompliziert. Die Schiele-Wohnung liegt aber im 1. Stock des Bahnhofgebäudes, ist nur über die Treppe erreichbar und somit nicht barrierefrei.

  • 1. April bis 30. Oktober von 9 bis 20 Uhr
  • 1. November bis zum 31. März von 9 bis 17 Uhr

Inserat Egon To Go

Schiele-Volksschule mit Info-Tafel samt Selbst-Porträt des jungen Egon an der gelben Fassade

Und der führt euch entlang des Bahnwegs, vorbei an der Bummersluke (Station 2) zur Wilhelmstraße, die Karner Stiege hinauf direkt in die Kirchengasse, wo eine der beiden Tullner Volksschulen (Station 3) ihren Standort hat.

Dort hab nicht nur ich vor Jahren das ABC gebüffelt, sondern auch der kleine Egon drückte hier die Schulbank.

Übrigens wird hier die Kreativität der kleinen Nachwuchs-Talente sehr geschätzt und auch gefördert.

Weiter geht’s zur gegenüberliegenden Kirche (Station 4), dem Karner (5) und auf die Wiener Straße (6) bis zum Hauptplatz (7) und dort meine Lieben habt ihr euch dann wirklich mal ein Päuschen verdient.

Das könntet ihr euch z. B. im Cafe Wagner gönnen, wo ihr dem Egon natürlich schon wieder begegnet. Und zwar in Form einer himmlisch flaumigen Mehlspeis: der Schiele-Torte. Die ich, so muss ich gestehen, jahrelang ignoriert hab. Doch seit einigen Monaten schätze ich das süße Schätzchen sehr.

Schiele-Torte, die aus verschiedenen Schichten besteht.: Mohnmasse – Marillenoberscreme – Mohnmasse   – Vanillecreme und Schoko-Nougatglasur
Schiele-Torte

Das Gustostückerl lockt mit feiner Mohnmasse, fluffiger Marillenoberscreme samt Nougat-Schokoglasur. Ob’s dem Egon gemundet hätt, kann ich natürlich nicht sagen, aber meine Geschmacksknospen waren hoch erfreut über die neue Bekanntschaft.

Egon Schiele-Museum in Tulln

Nach der wohlverdienten Pause geht es vorbei an der Minoritenkirche (8) direkt zum Egon-Schiele-Museum (9) an der Donaulände.

Entweder gönnt ihr euch da nun einen Museumsbesuch und besucht die Ausstellung (2026 steht unter dem Motto Schiele und Kokoschka). Oder ihr spaziert über die Donaulände gemütlich weiter Richtung Start- und Endziel Bahnhof.

Nach dem Museumsbesuch wär dann punkto Schiele so gut wie alles abgegrast. Zumindest in Tulln. Allerdings ist der Schiele-Rundweg hier noch nicht zu Ende.

Denn über die Donaulände geht es zurück Richtung Bahnhof – vorbei am Wasserkreuz (10), Römerturm (11), Römermuseum (12) und Friedhof (13), wo das Familiengrab der Schieles liegt.

Nun müsst ihr nur noch durch die Pummerslukn (oder schreibt man Bummersluke?) durch und dann seid ihr schon fast wieder am Ausgangspunkt zurück.

Anstatt nun planmäßig direkt über den Bahnweg zurück zur Bahnstation zu pilgern, würde ich euch raten, noch einen Abstecher in die nette kleine Café-Bar „Egon to go“ zu machen. Einfach nach der Pumerslukn (oder wie immer man die genau schreibt, aber das find ich auch noch raus) NICHT links halten, sondern geradeaus. Via Heisslgarten geht’s zur Bahnhofstraße, diese überqueren und geradeaus weiter. Bis ans Ende der Gasse.

bronzefarbene Büste von Egon Schiele mit einem Strauß frischer rosa Tulpen und Weidenkätzchen zwischen den Händen

Dort, am Ende der Heinrich Öschl-Gasse befindet sich besagtes Lokal an der Ecke zur Egon Schiele-Gasse.

Vielleicht geht sich für die Heimreise nur ein Coffee-to-go aus. Aber falls noch ein bisserl Zeit übrig ist, legt einen letzten Zwischenstopp ein. Es gibt dort wirklich guten Kaffee und vor allem hausgemachte Mehlspeisen.

Mein aktueller Favorit ist die glutenfreie Schokotorte. Die ist aber sowas von schooookoladig.

Ein kleiner Geheimtipp von mir: Probiert dort unbedingt mal die Pistaziencreme. Ich kauf mir die mittlerweile glasweise, aber ihr könnt die natürlich mit Cookies oder Croissants testen, ob sie euch auch so begeistert wie mich.

Wer jetzt auf der Suche nach weiteren netten Dingen ist, die nach dem lieben Egon benannt wurden, findet anschließend noch ein paar Ideen.

  • Apropos Garten: Sogar eine wunderschöne Strauchrose trägt den Namen des Künstlers. Gesichtet hab ich die rosa blühende Schönheit bei Gärtner Starkl. Die Schiele-Rose kann bis zu 150 cm groß werden und macht sich sicher hübsch im Vorgarten
  • Ihr wollt die Tour nicht in Eigenregie machen, sondern mit einem Profi mehr zum Thema erfahren? Die geprüften Tulln Guides sind da ein heißer Tipp für euch. Ich war selbst schon bei drei oder vier Führungen dabei und erfahr immer spannende Dinge, die völlig neu für mich sind. Insgesamt werden 2026 drei Touren zum Thema „Schiele“ angeboten. Die Termine findet ihr HIER …..

Vielleicht habt ihr jetzt ja Lust bekommen, Tulln auch mal von der kulturellen Seite her näher kennen zu lernen. Egal ob „Zugroaster“ oder „Einheimischer“. Ich trau mich wetten, dass ihr überrascht sein werdet, was man zum Thema Schiele so alles erfahren kann. Und zwar völlig unabhängig davon, ob Expressionismus euren persönlichen Geschmack trifft oder nicht …

Ich wünsch euch einen tollen Tulln-Tag

liebe Grüße

die Tullnerin

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